Freiwillige Feuerwehr Marktredwitz

Freiwillige Feuerwehr Marktredwitz

Florian

1869 - 1897

           Mit Zustimmung des Magistrats und der Mitglieder trat der Verein bald dem Landesfeuerwehrverband bei (Gründung 1868). 


 Urkunde Landesfeuerwehrverband 1899

           Der Zufall wollte es, dass Redwitz in den kommenden Jahren nicht von Feuersbrünsten heimgesucht wurde.

 

 1869 Das aktuelle Interesse am Brandschutz ließ nach und in diesem Jahr fanden sich zu einer im Rathaussall einberufenen Versammlung 
           von 149 eingeschriebenen Mitgliedern nur noch 40 ein.

           Hauptmann Seeberger legt sein Amt nieder. Zu seinem Nachfolger wurde am 11. Mai der Maurer- und Tünchnermeister Johann
           Matthäus Röder gewählt.
 
           Das Spritzenhaus wird eingerichtet. Es stehen 2 vierrädrige Löschmaschinen (eine davon mit Saugwerk) und 2 Krücken- und
           Kübelspritzen zur Verfügung. 

 


vierrädrige Löschmaschine 

          Die Bürgerwehr wird abgeschafft; am 17. Juni Beben in Eger, Selb und Hof

 


 

1870 Zum 2. Bayerischen Feuerwehrtag am 29. Mai in Regensburg entsandte die Wehr einen Vertreter. Die Freiwillige Feuerwehr zu      
          Redwitz zählte 139 aktive Mitglieder. In den Kriegsjahren 1870/1871 ließ das Interesse an der Feuerwehr stärker nach.
          Am 4. und 5. November Erdbeben zu Mitterteich.
 
1871 Nach vielen Bemühungen schien die Grundlage für eine günstige Weiterentwicklung geschaffenen. Unterwartet geriet die Freiwillige
          Feuerwehr in eine neue Krise. der Magistrat mußte im Juli den Hauptmann Röder absetzen, weil er ungeachtet wiederholter
          Mahnungen längere Zeit keine Übungen mehr durchgeführt hatte. 
 
          Nach einem Bericht des Magistrats vom 3. September an das Landgericht Wunsiedel standen zwar 4 Spritzen, 26 Feuerleitern, 35
          Feuereimer und 10 Feuerhaken zur Verfügung, doch fehlte es an den notwendigen Bedienungsmannschaften. Marktredwitz hat 1.900
          Einwohner; Am 13. Oktober Erschütterungen an der Nordostgrenze von Bayern.
 
1872 Um eine Reorganisation der Freiwilligen Feuerwehr durchzuführen wurden am 16. März alle männlichen Einwohner in das Rathaus
          eingeladen. Doch nur wenige Marktbewohner kamen, so dass die Versammlung nicht stattfinden konnte. Nach einem weiteren Aufruf
          des Bürgermeisters Johann Gabriel Seeberger trugen sich schließlich 102 Einwohner in eine Einzeichnungsliste ein.
 
          Am 27. Mai wählte die Wehr einen neuen Hauptmann in der Person des Weißgerbermeisters Friedrich Günther. Unter seiner Leitung
          begann wieder eine erfolgreiche Tätigkeit. Zunächst wurden die Feuerwehrmänner uniformiert. Auch neue Ausrüstungsstücke und
          Geräte wurden beschafft. Standen im Kampf gegen das Feuer bisher lediglich zwei zweirädrige Spritzen ohne Saugwerk und zwei
          Kübelspritzen zur Verfügung, konnte ab sofort auch auf eine Schub- und Schlagleiter, vier kleine Steigerleitern, einen
          Requisitenwagen und eine Schlauchhaspel zurückgegriffen werden.

          Günther führte ein neues Alarmsignal ein. Erfolgte die Alarmierung bisher mittels der Kirchenglocken, so wurden die Feuerwehrmänner
          jetzt durch Signalhörner zum Spritzenhaus gerufen.     


Signalhorn im Feuerwehrmuseum Marktredwitz
       

1873 Die Feuerwehr Wölsau wird urkundlich erwähnt. Die Gemeindeverwaltung Wölsau wird vom Könglichen Bezirksamt Wunsiedel
          aufgefordert, eine Löschmaschine anzuschaffen und in den Etat "pro 1874" den entsprechenden Betrag von 400 fl. (Gulden)
          einzusetzen. Der Gemeindeausschuss fasste den Beschluss, es sei an das kgl. Bezirksamt zu berichten, dass die "Nothwendigkeit der
          Anschaffung einer Löschmaschine für hiesige Gemeinde nicht vorhanden sei". Begründung war u.a. "dass die beiden Ortschaften der
          Gemeinde Wölsau zu klein sind und dass bereits vier Handspritzen vorhanden sind. 

1874 Gemeindeversammlung in Wölsau am 12. März, wo der Beschluss des Kgl. Bezirksamts Wunsiedel mitgeteilt wurde, dass die
          Gemeinde Wölsau eine Feuerlöschmaschine neuester Konstruktion und versehen mit dem sog. "Metz'schen Gewind" anzuschaffen
          und hierfür 600 fl. einzustellen habe. Die Gemeindeversammlung beschließt gegen diesen Beschluss Berufung zu ergreifen. Am
          10. Oktober bezirksamtliche Erlassung "Ortspolizeilicher Vorschriften, die Verhütung von Feuersgefahren betr."
 
1874 In der Versammlung am 7. September wurde der Webereibesitzer Ludwig August Mühlhöfer wurde zum Vorstand gewählt und
          gleichzeitig auch Friedrich Günther wieder zum Hauptmann gewählt. Der „Feuerwehrausschuss" wurde in den „Verwaltungsrat"
          umbenannt. Berufen wurden Adam Rasp und Ruckdäschel. (Anmerkung: Diese Bezeichnung hielt sich bis zur Änderung des
          Bayerischen Feuerwehrgesetzes im Jahr 1981). Die Wehr trat dem „Gauverband der Freiwilligen Feuerwehren im
          Sechsämterland" bei.
 
          Am 17. September erfolgte die erste Inspizierung der Redwitzer Feuerwehr und zwar durch den vom Bezirksamt beauftragten
          Wanderlehrer Fischer.
 
1875 Im Frühjahr gibt es einen öffentlichen Aufruf zu einer Geldspende zur Deckung des dringensten Bedarfs.

          In Wölsau wird am 31. Juli eine neu angeschaffte Feuerlöschmaschine übergeben und die erste Probe derselben vorgenommen,
          wozu sämtliche zur Pflichtfeuerwehr Berufenen zu erscheinen haben.

          Am 15. August Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dörflas (Quelle: E-KBR Bergmann)

 
1876 Die erste größere Veranstaltung der Redwitzer Freiwilligen Feuerwehr fand gelegentlich des Gautages der Freiwilligen Feuerwehren
          im Sechsämterland am 24. September in Redwitz statt. Dabei musizierte der Redwitzer Türmer und "Musikus" Carl Thomae mit seinen
          Gesellen.
 
1877 Nach dem Rücktritt des Vorstandes Mühlhöfer wurde im Frühjahr 1877 Fabrikant Gottfried Pöhlmann zu seinem Nachfolger bestimmt.
          Dieser beklagte sich gar bald beim Magistrat, dass zu den Übungen nur 30 Männer kämen, während 100 benötigt würden. Der
          Bürgermeister forderte die Marktbewohner erneut zum Beitritt auf und drohte mit der Einführung einer „Pflichtfeuerwehr". Diese wurde
          auch, nachdem die Mahnung keinen Erfolg hatte, am 12. Mai 1877 eingeführt. Sie bestand neben der Freiwilligen Feuerwehr. Die
          Pflichtigen traten erstmals am 18. Juni 1877 vor dem Spritzenhaus am Marktweiher an und wurden in die verschiedenen Züge der
          Steiger-, Spritzen- und Rettungsmannschaften eingeteilt. 

          Am 7. Januar Versammlung in Wölsau auf Einladung des Bürgermeisters Schmidt zur probeweisen Vereinigung der Pflichtfeuerwehr
          zu Wölsau mit der freiwilligen zu Wölsauerhammer und Haingrün (Verfügung des kgl. Bezirksamts Wunsiedel vom 01.12.1876). In der
          einer Versammlung der vereinigten Feuerwehr Wölsau-Wölsauerhammer wurden vorerst die Mannschaften in den einzelnen Rotten
          verteilt und zwar derart, dass 12 Mitglieder freiwillig der Steigermannschaft, die übrigen Mitglieder von Wölsau-Haag
          und Wölsauerhammer der Spritzenmannschaft und die Mitglieder von Haingrün der Ordnungsmannschaft einverleibt wurden. Ferner
          wurde beschlossen, vom 18. bis 35. Lebensjahre sind sämtliche Mitglieder zum Ausrücken verpflichtet, vom 36. bis 41.
          Lebensjahre können Mitglieder auf Ansuchen gegen eine Bezahlung von jährlich 6 Mark, ebenso vom 42. bis 50. Lebensjahr gegen
          Erlegung von jährlich 4 Mark vom aktiven Dienst befreit werden. Die anfallenden Beträge werden zur Anschaffung von Löschrequisiten
          verwendet. 

          Im Juli müssen die die beiden Ortschaften Wölsau und Haag nach einer Verfügung des Bezirksamtes Wunsiedel für die Feuerwehr
          sofort eine Anstellleiter und eine Dachleiter beschaffen.

          Am 9. August brennt in Brand die Spinnerei Gottfried von Glass nieder.
 
1878 Trotz strengster Maßnahmen wurde der Übungsbesuch immer weniger und Hauptmann Friedrich Günther sah sich
          schließlich gezwungen, dem Magistrat im Sommer zu melden, dass die Redwitzer Feuerwehr in der Auflösung begriffen sei. Doch der
          Wunsiedler Bezirksamtmann Ordnung, dem dies vom Magistrat gemeldet worden war, verhinderte die Auflösung durch energisches
          Eingreifen. Der wenig erbauliche Bericht des Bezirksamtmannes auf Grund seiner Visitation vom 6. Oktober veranlasste nun den
          Magistrat auch seinerseits energisch durchzugreifen. Hauptmann Günther, der ausdrücklich zum Kommandanten der Pflichtfeuerwehr
          ernannt wurde, organisierte die gesamte Wehr mit ihren 139 Männern neu.
 
1879 Zur Beaufsichtigung aller Feuerwehren im Bezirk Wunsiedel setzte der Bezirksamtmann eine „Bezirksfeuerwehr-Inspektion" mit Sitz in
          Wunsiedel ein. (Anmerkung: Zu dieser Zeit hießen die Landkreise Bezirke und die Bezirke Landkreise).

1880 Am 5. Bayerischen Feuerwehrtag in Nürnberg nahm Hauptmann Günther teil. Wegen Misshelligkeiten mit Pflichtfeuerwehrmännern
          erwog er bald darauf seinen Rücktritt. Nach dem ihm jedoch Metzgermeister Georg Meyer als Adjudant beigegeben wurde, behielt er
          sein Amt noch zwei Jahre.
 
          Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Oberredwitz (Quelle: E-KBR Bergmann)
 
          Am 4. Oktober Erdstöße in Selb und am 23. Dezember Erzitterung des Bodens in Hof.
 
1881  Am 21. Juli, morgens 1 1/4 Uhr, wurden die Marktbewohner durch Feuerrufe und Signale alarmiert. Fast gleichzeitig brach in verschiedenen,
          an der Straße nach Oberredwitz und an der alten Thölauer, nun Bahnhofstraße belegenen Städeln Feuer aus, das bei völliger Windstille
          himmelan loderte. Hierbei gingen 24 hölzerne und ein ganz massiver Stadel dann ein Wohnhaus, große Heu- und Nutzholzvorräte, sowie
          verschiedene landwirthschaftliche Geräthe und werthvolle Wagen zu Grunde. Von den nächstgelegenen Gebäuden wurden drei mehr oder
          minder theilweise beschädigt.
 
           In Wölsau erging der Beschluss, dass alle männlichen Einwohner von 18 - 50 Jahren zum Ausrücken (Feuerwehrdienst) verpflichtet
           seien. Außerdem konnten sich 30 bis 50-jährige Einwohner auf Ansuchen für 3 Mark davon befreien.
 
1882 Letztlich war es dem energiegeladenen und mit besonderer Taktik operierenden Kommandant Günther zu verdanken, dass die
          Krisenjahre, die bis 1882 andauerten, überwunden werden konnten. Er trat am 15. Juli zurück und schied nach 10-jähriger Tätigkeit
          als aktives Mitglied aus der Freiwilligen Feuerwehr aus. Lebküchnermeister Wilhelm Heinrich Meyer wurde zu seinem Nachfolger
          gewählt. 
        
          Am 15. Juli werden der Weber Johann Reihl und sein Sohn Matthäus vom Magistrat als „Feuerboten" verpflichtet. Diese hatten im Falle
          eines Brandes sofort Meldung an das Bezirksamt Wunsiedel zu überbringen.

          Nach Beschluss der Gemeindeverwaltung Wölsau am 9. Dezember kann nach § 2 der Feuerlöschordnung die Festsetzung von Ort,
          Tag und Stunde der Übung ein für alle mal durch Beschluss der Gemeindeverwaltung geschehen.
 
1883 Am 29. September, zwischen 10 3/4 und 11 Uhr nachts großes Fichtelgebirgs-Erdbeben mit Getöse. Starkes Rollen mit darauf
          folgendem Stoße mit Geräusch, als ob ein Schnellzug vorbeiführe.
 
1884 Metzgermeister Georg Meyer wird Hauptmann.
 
1885 Um eine rasche Alarmierung sicher zu stellen, wurden drei "Signalisten" aufgestellt. Diese waren: der Gerber Georg Rößler, der Weber
          Wilhelm Pöhlmann und der Tüncher Wilhelm Matthes. Außerdem richtete der Magistrat einen eigenen "Fahrdienst" für die
          Feuerwehr ein und verpflichtete hierzu den Lebküchner Karl Hagen und den Spediteur Heinrich Küspert.
 
          In der Generalversammlung vom 7. März 1885 wurde Magistratsrat Heinrich Glass zum Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr gewählt,
          den Vorsitz über die Pflichtfeuerwehr behielt Bürgermeister Lebrecht Prell.

          In Wölsau wurde beschlossen, die Pflichtfeuerwehr in eine Freiwilige umzuwandeln. Bei diesem Beschluss wurde hauptsächlich
          berücksichtigt, dass bei einem Unglücksfalle auf Unterstützung aus der Landesunterstützung zu rechnen ist.
 
1886 Zum Bezirksfeuerwehrtag am 4. Juli in Oberröslau wurden Wilhelm Meyer, Georg Küspert, Bernhard Anzer und Gottlieb Müller
          abgeordnet.

1890 Die Feuerwehr wird mit Helmen ausgerüstet.
          Am 2. Dezember, 2 Uhr früh, drei Erdstöße zu Wunsiedel.
 
1891 In der Generalversammlung am 25. April konnte Vorstand Heinrich Glass zum ersten Mal an alte, verdiente Mitglieder der Freiwilligen
          Feuerwehr Diplome verteilen.
 
1892 Nachdem Hauptmann Georg Meyer und Schriftführer Carl Wälzel am 21. März zurückgetreten waren, letzterer nach 18-jähriger
          Tätigkeit, wählten die Mitglieder Brauereibesitzer Otto Nothhaft als Hauptmann und Georg Frohmader zum Schriftführer.

1893 Auf Bitten der Feuerwehr wurden an die neuerbaute Hochdruckwasserleitung 38 Hydranten angeschlossen. Dies versetzte die Wehr in
          die glückliche Lage, nunmehr das bei Bränden erforderliche Löschwasser in der Nähe des Brandherdes entnehmen zu können,
          während es bisher entweder aus den Saugstellen der Kösseine, aus den wenigen Rohrkästen innerhalb der Stadt oder aus dem – vom
          Brandherd oft weit entfernten – Klingerweiher entnommen werden musste.
 
          Bei einer Visitation durch den Bezirksamtmann Scharf und den Bezirksfeuerwehrvertreter Winnerling am 27. Mai arbeiteten die  
          Feuerwehrmänner zum ersten Mal mit Hydranten. Der Wehr wurde volle Anerkennung ausgesprochen.
 
          Auf Antrag der Wehr beschaffte der Magistrat eine Verbandstasche, 3 Laternen, 20 neue Gurte, 12 Schlauchbinden, 6 Schlauchhalter,
          3 Seile, 2 Hupen, eine rote Schnur und ein Signalhorn.

            Am 26. Dezember Erdstöße bei Selb um 10 Uhr nachts.
 
1895 Viele junge Einwohner treten der Wehr bei. Die Wehr erhält eine zweirädrige Schubleiter. Marktredwitz hat 3.001 Einwohner, führt die
          Kanalisierung durch und beginnt mit der Trottoirisierung (Anm. Anlegung von Gehsteigen). Am 16. Mai Beben mit starkem Erdstoß in
          senkrechter Richtung von unten nach oben, im ganzen Gebiet wahrgenommen.
 
1896 Am 22.05. beschließt der Gemeindeausschuss in Wölsau, es sei zur Anschaffung der Helme und Gurte der hiesigen freiwilligen
          Feuerwehr vorläufig Abstand zu nehmen. Da die sämtlichen Schläuche bereits defekt sind, sind sofort ca. 40 Meter Schläuche zu
          bestellen und aus der Gemeindekasse zu decken.  
 
1897 Bei dem Brand in Marktredwitz am 14.03.1897 verletzte sich Johann Schricker, Spritzenzugführer der Feuerwehr Dörflas,
          (Handquetschung durch Fall) und erhielt von der Landes-Unterstützungskasse 18,20 M (Zeitung für Feuerlöschwesen Ausgabe 15    
          vom 01.08.1897, S. 51).
          Am 20. Juni, dem 30. Gründungsfest der Wehr, fand zugleich der Bezirksfeuerwehrtag in Redwitz statt.
          Bezirksamtmann Scharf verlieh am 31. Mai an die Wehrmänner Jakob Wohlleben, David Mühlhöfer, Adam Rasp und Georg Küspert
          das Feuerwehrehrenzeichen für 25-jährige Dienstzeit.